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Ratgeber

Rohrsanierung ohne Aufgraben mit Inliner-Verfahren

Schadhafte Rohre lassen sich oft ohne Aufgraben sanieren. Wir erklären, wie Inliner-Verfahren funktionieren und wann sie sinnvoll sind.

Inliner Rohrsanierung

Ein beschädigtes Abwasserrohr bedeutet nicht automatisch, dass Garten, Keller oder Bodenplatte aufgerissen werden müssen. Mit der Inliner Rohrsanierung lassen sich viele Schäden an Grundleitungen und Fallrohren grabenlos beheben. Das Verfahren spart Zeit, Kosten für Erdarbeiten und schont die Bausubstanz. Wie es funktioniert und wo die Grenzen liegen, erklären wir im Folgenden.

Was ist ein Inliner und wie funktioniert das Verfahren?

Ein Inliner ist ein mit Kunstharz getränkter Schlauch aus Filz oder Glasfasergewebe, der in das schadhafte Rohr eingebracht und dort aufgeweitet wird. Nach dem Aushärten bildet er ein neues, stabiles Rohr im alten Rohr – ähnlich einer zweiten Haut. Als Harzsysteme kommen je nach Einsatzbereich Epoxidharz, Polyester- oder Vinylesterharz zum Einsatz, die sich in Aushärtezeit, Flexibilität und Beständigkeit gegenüber Chemikalien unterscheiden. Man unterscheidet zwei Grundformen:

  • Schlauchliner: für längere Leitungsabschnitte, wird über die gesamte Strecke zwischen zwei Reinigungsöffnungen oder Schächten eingezogen, üblich bei Rohrdurchmessern zwischen etwa DN 100 und DN 300
  • Kurzliner (Punktreparatur): für lokal begrenzte Schäden wie einen Riss oder eine undichte Muffe, deckt meist eine Strecke von 0,5 bis 1,5 Metern ab

Beide Varianten kommen ohne Aufgraben aus und werden über bestehende Reinigungsöffnungen, Schächte oder Anschlusspunkte in die Grundleitung eingebracht. Bei Fallrohren im Gebäude ist zusätzlich zu prüfen, ob ausreichend Zugang über Revisionsöffnungen besteht.

Wann eignet sich die grabenlose Sanierung?

Das Inliner-Verfahren ist eine gute Lösung bei bestimmten Schadensbildern, aber nicht bei jedem Rohrproblem gleich sinnvoll. Vor jeder Entscheidung steht eine Kanalkamera-Befahrung (TV-Inspektion), mit der die Fachkraft vor Ort Art, Lage und Ausmaß des Schadens genau feststellt.

  • Risse, Haarrisse und kleinere Undichtigkeiten im Rohr
  • Undichte Muffenverbindungen zwischen Rohrabschnitten
  • Wurzeleinwuchs, der die Rohrwand noch nicht zerstört hat
  • Korrosion und Materialverschleiß bei ansonsten stabiler Rohrlage
  • Leichte Versätze ohne starke Richtungsänderung

Nicht geeignet ist das Verfahren bei stark deformierten oder eingestürzten Rohren, bei erheblichen Gefällefehlern, bei fehlender Grundstabilität der Leitung oder wenn der Rohrdurchmesser durch starke Ablagerungen und Wurzeln dauerhaft verengt ist. Typische Fehlerbilder, die gegen eine grabenlose Lösung sprechen, sind versackte Rohrabschnitte mit Gegengefälle, mehrfach gebrochene Muffen auf kurzer Strecke oder ein Scherbenbruch, bei dem Rohrteile ins Innere verschoben sind. In solchen Fällen bleibt eine offene Bauweise mit Aufgraben oft die einzige verlässliche Lösung. Die Entscheidung sollte immer auf Basis der Kamerabefahrung und einer fachlichen Einschätzung getroffen werden, nicht auf Verdacht.

Ablauf einer Inliner-Sanierung Schritt für Schritt

Der Prozess folgt in der Regel einem festen Schema, das sich je nach Zustand des Rohres leicht unterscheiden kann:

  • Kanalkamera-Befahrung zur Schadensdiagnose und Streckenvermessung
  • Hochdruckspülung (HD-Spülung) zur gründlichen Reinigung der Rohrinnenwand
  • Erneute Kamerakontrolle, um sicherzustellen, dass die Fläche für den Liner vorbereitet ist
  • Einbringen des harzgetränkten Liners über die Reinigungsöffnung oder den Schacht, meist per Inversionsverfahren mit Luftdruck oder per Einzug mit einer Kalibrierblase
  • Aufweiten des Liners mit Luft- oder Wasserdruck, sodass er sich passgenau an die Rohrinnenwand anlegt
  • Aushärtung durch Warmwasser, Dampf oder UV-Licht, je nach Harzsystem
  • Abschließende Kamerakontrolle zur Prüfung von Passgenauigkeit und Dichtheit

Bei Anschlussstellen an Abzweigen werden diese vor der Aushärtung wieder freigefräst, damit der Abwasserfluss aus Nebenleitungen erhalten bleibt. Die Dauer der Aushärtung hängt vom verwendeten Harz und der Umgebungstemperatur ab und kann von wenigen Stunden bis zu einem Tag reichen. UV-Licht-Systeme härten dabei meist schneller aus als Warmwasser- oder Dampfverfahren, was besonders bei stark frequentierten Leitungen wie Fallrohren in Mehrfamilienhäusern von Vorteil ist.

Vorteile und Grenzen im Überblick

Der große Vorteil der grabenlosen Sanierung liegt darin, dass Zufahrten, Pflasterungen, Bodenbeläge oder Gartenanlagen unangetastet bleiben. Die Arbeiten sind meist deutlich schneller abgeschlossen als bei einer offenen Baugrube, und die Nutzungsunterbrechung der Leitung ist geringer. Nach DIN EN 12056 und DIN 1986-100 muss die sanierte Leitung anschließend wieder die vorgeschriebenen Entwässerungswerte erfüllen, was durch die abschließende Kamerakontrolle dokumentiert werden sollte.

Gleichzeitig gilt: Der Innendurchmesser des Rohres verringert sich durch den Liner minimal, meist um wenige Millimeter Wandstärke. Bei ohnehin knapp bemessenen Leitungen oder bei Rohren unterhalb von DN 100 kann das relevant sein und sollte vorab geprüft werden. Zudem ist eine gründliche Vorreinigung zwingend notwendig – ist das Rohr stark verwurzelt oder verschlissen, muss unter Umständen doch anders vorgegangen werden, etwa durch eine Kombination aus Kurzliner an mehreren Stellen oder eine partielle offene Sanierung an besonders kritischen Abschnitten.

Warum die Diagnose vor der Sanierung entscheidend ist

Ob ein Kurzliner ausreicht, ein durchgehender Schlauchliner notwendig ist oder eine offene Sanierung unumgänglich wird, lässt sich nur mit einer aussagekräftigen Kamerabefahrung beurteilen. Wer vorschnell ein Verfahren wählt, riskiert Nacharbeiten oder eine Lösung, die dem tatsächlichen Schaden nicht gerecht wird. Bei Verdacht auf Rohrschäden, wiederkehrenden Verstopfungen oder feuchten Stellen im Bereich der Grundleitung lohnt sich eine fachliche Einschätzung, bevor größere Maßnahmen geplant werden. Für eine erste Einordnung und die Vermittlung einer passenden Fachkraft steht die Hotline 0151 61081662 rund um die Uhr zur Verfügung.

Fazit

Die Inliner Rohrsanierung ist bei vielen Schadensbildern eine praktikable Alternative zur offenen Bauweise. Entscheidend ist eine sorgfältige Diagnose per Kanalkamera, eine gründliche Vorreinigung und die Wahl des passenden Verfahrens – Schlauchliner oder Kurzliner. Wir vermitteln bundesweit Fachbetriebe, die diese Schritte fachgerecht durchführen und die Sanierung dokumentieren.

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Häufige Fragen

Was Anrufer uns oft fragen

Wie lange dauert die Aushärtung eines Inliners?

Je nach Harzsystem und Methode dauert die Aushärtung mehrere Stunden bis zu einem Tag.

Verkleinert sich der Rohrquerschnitt durch einen Liner?

Ja, der Innendurchmesser verringert sich geringfügig, was bei knapp bemessenen Leitungen relevant sein kann.

Ist eine Kamerabefahrung vor der Sanierung immer notwendig?

Ja, ohne Kamerabefahrung lässt sich Art und Ausmaß des Schadens nicht zuverlässig beurteilen.

Kann jedes Rohr mit einem Inliner saniert werden?

Nein, bei stark beschädigten oder eingestürzten Rohren ist meist eine offene Sanierung nötig.

Was ist der Unterschied zwischen Schlauchliner und Kurzliner?

Der Schlauchliner saniert längere Abschnitte, der Kurzliner nur eine einzelne, begrenzte Schadstelle.

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